Im polnischen Wald darfst du nur dort biwakieren, wo es ausgewiesen ist, und ausgewiesen ist erstaunlich viel. Dahinter steckt ein landesweites Programm der Lasy Państwowe, der staatlichen Forstverwaltung: Zanocuj w lesie, übersetzt “übernachte im Wald”. Die Programmseite nennt aktuell ponad 600 tysięcy hektarów w 425 nadleśnictwach, also mehr als 600.000 Hektar in 425 Forstämtern. Es kostet nichts, du kannst nichts reservieren, und niemand stellt dir eine Genehmigung aus. Geprüft am 1. September 2026.

Die Regel außerhalb der Zonen

Artikel 30 des Waldgesetzes verbietet “biwakowania poza miejscami wyznaczonymi przez właściciela lasu lub nadleśniczego”: Biwakieren außerhalb der Flächen, die der Waldeigentümer oder der nadleśniczy ausgewiesen hat, also der Leiter des Forstamts. Derselbe Artikel verbietet Feuer überall dort, wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist.

Polen ist damit nicht Finnland. Ein Jedermannsrecht wie dort gibt es hier nicht, und ein Zelt irgendwo im Wald ist keine Grauzone, sondern ein klarer Regelverstoß. Der Vorteil: Die Ausnahme ist ungewöhnlich großzügig, sobald du weißt, wo sie gilt.

Was dir das Programm erlaubt

Zwei Nächte hintereinander an einem Ort, in einer Gruppe von bis zu neun Personen, ganz ohne Anmeldung. Das deckt die meisten Touren ab. Willst du eine dritte Nacht oder seid ihr zu zehnt, schreibst du dem zuständigen Forstamt mindestens zwei Werktage vor der Anreise eine Mail mit Name, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Terminen, Gruppengröße und geplantem Ort, und du fährst erst, wenn die Antwort zusagt.

Die Zonen liegen über das ganze Land verteilt. Allein in der Regionaldirektion Szczecin machen alle 33 Forstämter mit, unter anderem in den Waldkomplexen Puszcza Notecka und Puszcze Szczecińskie.

Die Regeln in der Zone

Feuer nur an einer ausgewiesenen Feuerstelle, und das Holz bringst du von zu Hause mit: Sammeln im Wald ist verboten. Für den Gaskocher gelten eigene Bedingungen. Nicht jedes Forstamt lässt ihn zu, also schau vorher auf dessen Seite. Die Waldbrandstufe prüfst du zweimal am Tag, sie wird um 10:00 und 14:00 Uhr aktualisiert, und bei Stufe 3, der roten, ist der Kocher verboten. Er bleibt unter ständiger Aufsicht. Auf Torfböden, in Jungbeständen, in hohem Gras und Heide sowie dort, wo die Baumkronen unter 5 m beginnen, darfst du ihn nicht benutzen.

Empfohlen sind Hängematte und Biwakplane. Ein Zelt ist erlaubt, wenn du es auf festen Untergrund stellst und weder Boden noch Streuschicht beschädigst. Mülleimer gibt es nicht, und die Regeln sagen dir direkt: Nimm einen Müllsack von zu Hause mit und trag alles wieder heraus. Pilze und Beeren für den Eigenbedarf darfst du sammeln.

Rechne mit blankem Wald, denn genau das wird versprochen: kein Wasser, keine Toilette, keine Ver- und Entsorgung. Füll auf, bevor du die Straße verlässt.

Warum dein Wohnmobil auf dem Parkplatz bleibt

Das ist der Punkt, an dem Autofahrer stolpern. Punkt 18 der Programmregeln lautet schlicht: Fahr nicht mit einem Kraftfahrzeug in den Wald. Artikel 29 des Waldgesetzes sagt dasselbe. Hinein darfst du nur über öffentliche Straßen oder über einen Waldweg, der mit einem Schild für den Verkehr freigegeben ist, und parken darfst du auf Waldwegen nur an markierten Stellen. Ein Waldweg ohne Schild ist gesperrt, auch wenn kein Verbotsschild dasteht. Die Forstaufsicht kann dafür ein Bußgeld von 20 bis 500 Złoty verhängen.

Zanocuj w lesie ist also eine Erlaubnis für Leute zu Fuß. Stell den Van auf einem markierten Waldparkplatz ab und trag deine Ausrüstung zur Zone. Das Schlafen im Fahrzeug deckt das Programm nicht ab, und die Regeln sagen dazu nichts. Wenn du Polen also mit dem Wohnmobil bereist, plan die Nächte um Campingplätze herum und behandle die Waldzonen als Sache von Zelt, Plane und Hängematte. Denselben Bruch findest du im Baltikum wieder: Wie Estlands RMK-Netz das löst, steht hier.

Nationalparks sind ausgenommen

Artikel 15 des Naturschutzgesetzes verbietet in Nationalparks und Naturreservaten das Biwakieren, außer an Stellen, die der Parkdirektor ausweist. Ebenso verboten sind Feuer und offene Flammen außerhalb ausgewiesener Stellen sowie der Fahrzeugverkehr abseits öffentlicher Straßen. Das Forstprogramm gilt dort nicht. Wenn dein Ziel ein Nationalpark ist, kommt die Antwort vom Park, nicht von der Waldkarte.

Eine Zone finden, und die letzte Kontrolle

Die Zonen sind auf der Karte der Bank Danych o Lasach eingezeichnet, die die Programmseite verlinkt, und die einzelnen Forstämter veröffentlichen ihre Flächen selbst. Prüf auf derselben Karte auch die Betretungsverbote: Teile eines Waldes können dauerhaft oder zeitweise gesperrt sein, etwa wegen Waldbrandgefahr oder Holzernte, und solche Flächen sind mit Tafeln “zakaz wstępu” gekennzeichnet. Schau kurz vor der Abfahrt nach, nicht Monate vorher.

Die Zonenregeln und die meisten Forstamtsseiten gibt es nur auf Polnisch, und der polnische Text ist der maßgebliche. Unserer ist eine Zusammenfassung davon. Und wenn du an der Zone ankommst, lies die Tafel: Das Schild vor Ort und die aktuelle Auskunft des Forstamts stehen über jeder Website, auch über dieser.

Wie der Rest des Kontinents damit umgeht, steht auf unseren Seiten zu den Wildcampen-Regeln und in der Länderübersicht.

Sources

  1. Zanocuj w lesie, Programmseite der Lasy Państwowe (polnische Staatsforsten)
  2. Regulamin korzystania z obszarów objętych programem Zanocuj w lesie (Nutzungsregeln), Lasy Państwowe
  3. Ustawa o lasach (Waldgesetz), konsolidierte Fassung, Sejm
  4. Ustawa o ochronie przyrody (Naturschutzgesetz), konsolidierte Fassung, Sejm
  5. Samochód (Auto im Wald), FAQ der Lasy Państwowe
  6. Program Zanocuj w lesie, Regionaldirektion der Staatsforsten Szczecin

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